Unteroffizier Josef Meyer an seine Schwiegermutter


14.2.45

Liebe Mutti!

Ich habe soeben einen Brief an Fini und Franzel beendet, nun will auch Dir einige Zeilen schreiben und Dir sagen, dass ich noch immer wohlauf bin. Leider habe ich keinen lieben Brief zu beantworten, weder von Fini noch von Dir. Bei den augenblicklichen Verhältnissen mag es nicht wundernehmen, dass keine Post kommt. Wenn mich die Post von Fini nicht erreicht, so ist das eher zu verschmerzen, denn ich weiß meine liebe Frau wohlgeborgen, wenn sie nur meine Post erhält, damit sie sich keine unnötigen Sorgen macht. Wenn Fini nun an das Schicksal der Volksgenossen im Osten denkt, dann wird ihr der kleine Raum, von dem sie immer schreibt, wie ein kleiner Palast erscheinen müssen. Ich empfinde ein großes Glücksgefühl, wenn ich daran denke, dass alle meine Lieben wohlgeborgen sind. Dir wird es möglich sein, zu Hause öfter nach dem Rechten zu sehen. Ich bitte Dich darum. Ich habe Dir einen Brief an die Püttlinger Adresse geschrieben. Hoffentlich hat er Dich erreicht. Ich habe Dich darin gebeten, mir meine Ölfarben, Pinsel, Palette, Malmittel und Firnisse in einer Kiste als "Dienstpaket" an die Einheit 13204 zu schicken. Das Paket darf bis zu 30 Pfund und noch schwerer sein. Es nimmt Dir jede militärische Dienststelle an. Es muss die Anschrift Dienstpaket tragen. Du würdest mir damit eine große Freude machen. Bist Du schon mal bei Fini gewesen?

Leider konnte ich keinen Räumungsurlaub erhalten, obwohl ich alles Mögliche versucht habe. Ich hätte zu gerne meine Jungens wieder einmal in meinen Armen gehalten. Bei Fini weiß ich sie in bester Hut. Ich bin so glücklich, dass gerade in dieser schweren Zeit mir eine so tapfere Frau zur Seite steht und was mich überglücklich macht, eine so treue Gattin habe.

Die Nachrichten, die uns im Augenblick erreichen, sind ja wirklich alles andere als ermunternd. Aber wir dürfen den Kopf nicht hängen lassen und niemals auch nur daran denken, den Kampf jemals aufzugeben. Mag auch der Sieg kein Sieg im üblichen Sinne sein, so wird er doch unserem Volke einen Frieden in Ehren bringen und unserem Volke zumindest seinen Bestand und seine Zukunft sichern.

Wie geht es Opa? Er wird wohl Heimweh nach den Kindern haben, aber es kann niemals stärker sein als das meinige. Wie geht es Kurt und wo steckt er? Und was gibt es sonst Neues aus der Heimat?

Bleibe Du weiterhin meine liebe Mutti.

Mit den besten Grüßen auch an alle andere, besonders aber an Opa, bleibe ich Dein "guter" Schwiegersohn

Josef







22.1.45

Liebe Mutti!

Mit besonderer Freude habe ich Deinen Weihnachtsbrief erhalten. Ich danke Dir herzlich. In der Hoffnung, dass Ihr Euch nun endlich gefunden habt, sende ich Dir viele Grüße und hoffe, dass sie Dich wohl behalten finden. Ich habe leider nicht viel Zeit zum Schreiben, denn ich muss heute noch zu einem Lehrgang. Das ist immer eine sichere Sache, wenn es auch nur wenige Tage dauert. Ich habe Dir bereits einen Brief an die Püttlingen Adresse geschickt. Hoffentlich hast Du ihn bekommen. Einen Brief von meiner Schwester Maria habe ich bereits vor längerer Zeit erhalten. Dadurch wusste ich, dass Du noch zu Hause bist und wie es bis zu diesem Zeitpunkt in Püttlingen aussah. Die Post musste man damals auf dem Postamt abholen. Ich nehme an, dass auch jetzt noch reichlich Post von mir dort liegt und auch Päckchen, wenn sie nicht sonst wie verloren gegangen sind. Falls Du die Adresse von Fini noch nicht hast, sie lautet:

13a Frickenhausen 32
über Mellrichtstadt

Fini ist sehr verzweifelt, weil sie ein so kleines Zimmer hat, aber sie ist auch sehr ungeduldig, was Ihr leider nur schadet. Ich würde Dir raten, wenn es tatsächlich ruhig geworden ist und die Ari nicht mehr nach Püttlingen schießt, was sehr anzunehmen ist, bleibe Du in Püttligen, damit das Haus einen guten Hüter hat. Fini wird dann auch bald zurückkommen können. Ich muss nun leider schließen, denn ich muss meine Sachen packen.

Ich sende Dir nochmals wieder herzliche Grüße

Dein Schwiegersohn

Josef













23.10.44

Liebe Mutti!

Wieder bist Du Omama geworden und wiederum ist es ein strammer Junge. Ich gratuliere Dir und Opa herzlich. Hoffentlich wird Lili bald wieder genesen, damit sie sich erfreuen kann an ihrem jungen Mutterglück. Möge der kleine Erdenbürger blühen und gedeihen zu Deiner und der Mutter Freude möge ihm ein gütiges Geschick beschieden sein.

Ich hoffe, dass Ihr noch alle wohl behalten in der Heimat seid. Aber seid vorsichtig, wartet nicht bis zur letzten Minute, wie schnell ist der Feind plötzlich durchgebrochen. Doch! Auch nicht ängstlich sein. Fini soll nichts unversucht lassen, woher irgendwo auf dem Lande und sei es auch der entlegenste Bauernhof ein noch so beschiedenes Zimmer zu mieten. Ich weiß, das wird schwer sein, aber vielleicht lässt es sich doch machen und dann soll sie mit den Kindern dorthin ziehen. Du kannst ja noch etwas länger bleiben. Vielleicht ist es auch gar nicht notwendig, dass Ihr die liebe Heimat verlassen müsst. Das wäre doch das Schönste. Aber der Krieg, je mehr er sich dem Ende nähert, wird noch grausigere Formen annehmen. Doch nichts soll uns entmutigen. Wir müssen siegen, und dafür jedes Opfer bringen oder untergehen? Was aber auch kommen mag, ich bin zuversichtig. Ich hoffe, dass meine Zeilen Dich bei bester Gesundheit finden. Bleibe auch weiterhin gesund und meine liebe Schwiegermama.

Mit den besten Grüßen bin und bleib ich

Dein Schwiegersohn

Josef














Unser Vater Josef Meyer, vermisst in Kurland seit März 1945. Letzte Nachricht von ihm mit Feldpostbrief vom 17.2.1945. Darin bat er noch, ihm seine Ölfarben, Pinsel und Palette zu schicken.

Name: Josef Meyer
Geb. Datum: 25. Sept. 1910
Wohnort: Püttlingen - Saarland
Dienstgrad: am 28.6.1943 zum Unteroffizier ernannt
Erkennungsmarke: 33-2./N 263(2. Nachrichten-Abteilung 263)
Feldpost-Nr.: 13204
letzte Einheit: 263 ID - 3. Korps-Nachrichten-Abteilung 41
Ort: Ilgi - östlich von Libau





Hauptmann Erich Neuß (24. Inf.-Div.): Feldpostbriefesammlung
06.07.1944 - 23.03.1945



Unteroffizier Hans Hamelberg:
Letzter Brief an die Mutter

24.11.1944
Major Heinrich Ochssner:
Letzter Brief an die Ehefrau

16.09.1944
Obergefreiter Karl Meyer:
Brief an die Familie

15.12.1944
Brief über die
Suche nach einem Grab

11.01.1945
Obergefreiter Wilhelm Schierholz:
Letzter Brief an die Eltern

22.10.1944
Leutnant Helmut Christophe:
Brief an die Tante
sowie die Todesmeldung, übermittelt vom Btl.-Komm.

15.01./5.2.1945
Gefreiter Ewald Fiedler:
2 Briefe an die Schwester

12.9./14.12.1944
Obergefreiter Günther Klinge:
Brief an die Eltern

16.08.1944-13.01.1945
Obergefreiter Eugen Lamprecht:
Gedicht zum Abschied

Herbst 1944
Obergefreiter Paul Pyschik:
Der letzte Brief vor der Gefangenschaft

6. August 1944
Obergefreiter Werner Richey:
Der letzte Brief aus Kurland

14.12.1944
Oberfeldwebel Jakob Trimborn:
Letzter Brief an die Schwester

20.01.1945
Hauptmann Edgar Bothe:
2 Briefe an die Familie

28.10.1944/22.3.1945
Soldat Ernst Andresen:
Genesungswünsche der Kameraden

26.12.1944
Soldat Erich Baars:
Letzter Brief an die Schwiegereltern

28.10.1944/22.3.1945
Soldat Alfred Pawelzick:
Brief an die Mutter

02.11.1944
Oberleutnant Friedrich Willbrand:
Briefe an die Familie

14.11.1944 - 08.07.1946
Unteroffizier Josef Meyer:
Briefe an die Schwiegermutter

14.2.1945
Unteroffizier Oswald Pelzer:
Letzter Brief aus dem Lazarett

01.01.1945
Obergefreiter Wilhelm Haller:
Letzter Brief an Frau und Sohn

Anfang 1945
Hauptfeldwebel Walter Kaese:
Brief an die Ehefrau

08.04.1945
Walter Nagel:
Brief an die Schwester

18.07.1944
Feldwebel Horst Hesse:
Briefe an Hanna Seidel

03-07.1944
 


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