Letzter Brief des Ofw. Josef Trimborn


Der letzte Feldpostbrief von Oberfeldwebel Jakob Trimborn, den er 10 Tage vor seiner tödlichen Verwundung an seine Schwester schrieb.


O. U., den 20. Januar 1945


Liebe Mia!

Aus dem Lazarett entlassen, bin ich heute wieder vorn bei meiner Komp. eingetroffen. Groß war meine Freude als ich nach ca. 41/2 Monaten heute die erste Post aus der Heimat erhielt. Aber ebenso schnell schlug meine übergroße Freude in eine viel größere Traurigkeit um, als ich aus Deinen Briefen entnahm, dass unser immer und aller Zeit sorgender Vater auf eine so tragische Art ums Leben gekommen ist. Es ist furchtbar, man könnte schreien! Wäre Vater doch nur mit Mutter 8 Tage vorher nach Altenberg gefahren. Nur gut, dass unsere gute Mutter noch etwas bei uns bleibt. Während dem ich jetzt hier schreibe bin ich noch immer von der furchtbaren Nachricht so gedrückt und so zerstreut, dass ich nicht weiß, was ich im Augenblick schreiben soll. Wenn ich so über alles das was sich bei uns in der Familie in den letzten paar Jahren durch das Kriegsgeschehen an Unglück ereignet hat nachdenke, so hat das Leben für mich keinen Sinn und Inhalt mehr. Es ist furchtbar, dass die Menschheit so leiden muss.
Hoffe nun liebe Mia, dass Ihr alle noch am Leben und gesund seid. Mir selbst geht es so leidlich! Das Telegramm an meine frühere Einheit hat seinen Empfänger nicht erreicht. Wogegen das zweite Telegramm an meine jetzige Feldpostnummer angekommen ist. Zur Zeit befand ich mich aber im Feldlazarett, da ich später zwecks Operation weiter zurück verlegt wurde, meine Komp. aber nicht wusste, wo ich mich befand, hat selbige das Telegramm an den Truppenverbandsplatz weiter gegeben, wo es sehr wahrscheinlich heute noch liegt oder vernichtet worden ist. Da man auf der Schreibstube das offen angekommene Telegramm natürlich gelesen hat, so erscheinen Deine Angaben, welche in Deinen Briefen stehen, glaubwürdig. Es ist mir bereits schon zugesagt worden, dass ich für diesen Todesfall Urlaub erhalte. Wahrscheinlich 10 Tage. Bis der Antrag durch die einzelnen Dienststellen ist, können aber noch einige Wochen vergehen. Auf alle Fälle komme ich, wenn es auch noch 3-4 Wochen dauert. Es gibt noch sehr vieles zu besprechen und zu regeln. Vielleicht kann ich dann auch etwas unternehmen und den Aufenthalt meiner Frau und Marianne zu erfahren. Da ich jetzt die Gewissheit habe, dass Maria und Marianne an Dich noch nicht geschrieben haben, so steht für mich fest, dass die beiden dort geblieben sind, als die Amerikaner einrückten, um den Rest des Eigentums nicht auch noch zu verlieren. Aber gerade doch 31/2 km jenseits des Westwalles, fast in der Bunker-Stellung, müssen schwere Kämpfe stattgefunden haben, so dass ich jetzt schon damit rechne, dass die letzte Habe doch noch verloren gegangen ist. Dann noch eine Möglichkeit, welche ich immer wieder abschüttele, dass beide vielleicht nicht mehr am Leben sind. Denn die gesamten Rückzugsstraßen der Zivil-Bevölkerung waren ja damals unter Schlachtflieger Bordwaffen-Beschuss. Es ist zum wahnsinnig werden, wenn man dran denkt. So schwer wie es mir fällt, ich muss abwarten.
Familie Smolka aus Höntrop befindet sich schon seit einigen Monaten in Ober-Suchau Kreis Teschen O./S. Lehrerinnen-Bildungs-Anstalt. Die älteste Tochter ist doch Lehrerin. Sie schreiben uns, dass die Luftangriffe in den letzten Monaten im Ruhrgebiet so schlimm wurden, dass sie zu ihrer Tochter gereist sind. Nun drückt der Russe in Ungarn und im Raum von Krakau in den letzten Wochen aber so stark, dass ich vermute, dass man demnächst dort auch die Koffer packen muss. Erhielt auch die traurige Nachricht, dass der Schwiegersohn der jüngsten Tochter von Familie S. im September am Narew gefallen ist. So bleibt kaum eine Familie vor Leid verschont.
Nun meine liebe Mia komme ich so langsam zum Schluss. Hoffe nun, dass der Iwan in der nächsten Zeit sich hier in Kurland noch etwas ruhig verhält. Es könnte mein Urlaub davon abhängig sein. Nehme an, dass Euch diese Zeilen gesund antreffen. Empfanget alle, Mutter, Käthe, Christian und auch Du liebe Mia viele herzliche Grüße

Josef


Auf ein baldiges Wiedersehen!

Alles andere, was man im Brief nicht schreiben kann, mündlich wenn ich komme.




Oberfeldwebel Trimborn wurde am 30. Januar 1945 als Angehöriger des Füsilier-Regiments 26 der 30. Infanterie-Division bei Raci (etwa 25 km südöstlich von Libau) durch einen Granatsplitter tödlich verwundet.






Folgende Todesmeldung wurde von der Einheit an einen Bekannten der Familie geschickt:

Carstens
Hauptfeldwebel
Im Osten, den 2. Februar 1945
Feldpost Nr. 13 979 C

Sehr geehrter Herr Smolka!

Ich habe die traurige Pflicht, Ihnen die Mitteilung zu machen, dass Ihr Bekannter, der Oberfeldwebel Josef Trimborn am 30. Januar 1945 bei Raci (25 km südöstlich von Libau) tödlich verwundet wurde.
Ihr Bekannter starb getreu seinem Fahneneid den Heldentod für Führer und Vaterland.
Der Russe griff am 30. Januar 1945 nach einem starken Trommelfeuer unsere Stellung an. Die Komp. Verteidigte sich heldenhaft bis zur letzten Patrone. Es gelang dem Russen in unsere Stellung einzudringen. Ihr Bekannter zeichnete sich durch besonderen Mut und Tapferkeit aus. Bei dem Kampf wurde er leider durch einen Granatsplitter tödlich getroffen. Bei diesem Unternehmen hatte die Komp. Noch weitere Ausfälle. Hierdurch war es unmöglich, in diesem Abschnitt, in dem der Russe stark vordrängte, die Leiche des Oberfeldwebel Trimborn zu bergen.
Die augenblickliche schwierige Kampflage lässt es nicht möglich erscheinen, dass der Kp.-Führer Ihnen persönlich die Mitteilung zugehen lässt. Die heutige Unterstützung erfolgt aus diesem Grunde durch mich.
Privatsachen führte Ihr Bekannter bei seinem Sturmgepäck.
Sollten beim Tross noch Privatsachen vorgefunden werden, erhalten Sie diese demnächst übermittel.
Wir können Ihnen die Versicherung geben, dass Ihr Bekannter, der erst kurze Zeit zu unserer Kp. gehörte, in der kurzen Zeit bei Vorgesetzten und seinen Kameraden beliebt war, unvergessen bleiben wird.
Im Aufrichtigen Mitgefühl

Ihr
Carstens
Hauptfeldwebel
Bitte wenden!


N.R.
Dem Oberfeldwebel Trimborn war die augenblickliche Anschrift seiner Ehefrau nicht bekannt.
Sie wurden von ihm als ein guter Bekannter angegeben.
Wir bitten Sie, den heutigen Brief an Frau Trimborn weiterzuleiten und uns gleichzeitig die Anschrift zuzusenden
s.o.





Die amtliche Todesmitteilung der deutschen Dienststelle:









Hauptmann Erich Neuß (24. Inf.-Div.): Feldpostbriefesammlung
06.07.1944 - 23.03.1945



Unteroffizier Hans Hamelberg:
Letzter Brief an die Mutter

24.11.1944
Major Heinrich Ochssner:
Letzter Brief an die Ehefrau

16.09.1944
Obergefreiter Karl Meyer:
Brief an die Familie

15.12.1944
Brief über die
Suche nach einem Grab

11.01.1945
Obergefreiter Wilhelm Schierholz:
Letzter Brief an die Eltern

22.10.1944
Leutnant Helmut Christophe:
Brief an die Tante
sowie die Todesmeldung, übermittelt vom Btl.-Komm.

15.01./5.2.1945
Gefreiter Ewald Fiedler:
2 Briefe an die Schwester

12.9./14.12.1944
Obergefreiter Günther Klinge:
Brief an die Eltern

16.08.1944-13.01.1945
Obergefreiter Eugen Lamprecht:
Gedicht zum Abschied

Herbst 1944
Obergefreiter Paul Pyschik:
Der letzte Brief vor der Gefangenschaft

6. August 1944
Obergefreiter Werner Richey:
Der letzte Brief aus Kurland

14.12.1944
Oberfeldwebel Jakob Trimborn:
Letzter Brief an die Schwester

20.01.1945
Hauptmann Edgar Bothe:
2 Briefe an die Familie

28.10.1944/22.3.1945
Soldat Ernst Andresen:
Genesungswünsche der Kameraden

26.12.1944
Soldat Erich Baars:
Letzter Brief an die Schwiegereltern

28.10.1944/22.3.1945
Soldat Alfred Pawelzick:
Brief an die Mutter

02.11.1944
Oberleutnant Friedrich Willbrand:
Briefe an die Familie

14.11.1944 - 08.07.1946
Unteroffizier Josef Meyer:
Briefe an die Schwiegermutter

14.2.1945
Unteroffizier Oswald Pelzer:
Letzter Brief aus dem Lazarett

01.01.1945
Obergefreiter Wilhelm Haller:
Letzter Brief an Frau und Sohn

Anfang 1945
Hauptfeldwebel Walter Kaese:
Brief an die Ehefrau

08.04.1945
Walter Nagel:
Brief an die Schwester

18.07.1944
Feldwebel Horst Hesse:
Briefe an Hanna Seidel

03-07.1944
 


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